Umwelt- und Entwicklungsorganisationen, darunter die NaturFreunde Deutschlands, fordern die Bundesregierung auf, ihre Zusagen zum Schutz der biologischen Vielfalt einzulösen. Zur bevorstehenden UN-Biodiversitätskonferenz COP17 legt das Forum Umwelt und Entwicklung ein gemeinsames Positionspapier mit konkreten Forderungen vor.
85 Prozent der weltweiten Feuchtgebiete sind in den vergangenen 100 Jahren vollständig verloren gegangen. Zwei Drittel der Meeresflächen sind verändert, teilweise extrem und unumkehrbar. Schon diese zwei im Positionspapier zusammengetragenen Zahlen zeigen das Ausmaß der Naturzerstörung – und wie dringend wirksame Maßnahmen zum Schutz von Arten und Lebensräumen sind.
Vom 19. bis 30. Oktober 2026 trifft sich die Weltgemeinschaft zur 17. UN-Biodiversitätskonferenz (CBD-COP17) in Jerewan in Armenien. Dort wird erstmals weltweit überprüft, wie weit die Staaten bei der Umsetzung des 2022 beschlossenen Weltnaturabkommens gekommen sind. Seine 23 Ziele sollen nämlich bis 2030 erreicht werden. Doch die Halbzeitbilanz fällt ernüchternd aus: Ohne zusätzliche Anstrengungen wird die Weltgemeinschaft keines dieser Ziele erreichen.
Naturzerstörung eindämmen, Schutz wirksam machen
Die unterzeichnenden Verbände verlangen deshalb auch verbindliche Schritte gegen die Ursachen des Biodiversitätsverlusts. Naturzerstörung darf sich wirtschaftlich nicht lohnen: Biodiversitätsschädigende Subventionen müssen bis 2030 abgebaut werden. Zugleich braucht es wirksame Maßnahmen gegen Waldzerstörung, Pestizidbelastung und Überfischung.
Bis 2030 sollen mindestens 30 Prozent der Land- und Meeresflächen wirksam geschützt sein. Dafür müssen die Staaten neue Schutzgebiete ausweisen, deren Qualität sichern und Lebensräume vernetzen. Die Rechte indigener und lokaler Gemeinschaften müssen dabei verbindlich geschützt werden. Ein größerer Anteil der internationalen Finanzierung soll direkt bei ihnen ankommen. Deutschland muss seine Zusage von 1,5 Milliarden Euro für den globalen Biodiversitätsschutz einhalten und den Betrag bis 2030 um ein Drittel erhöhen.
Glaubwürdigkeit beginnt zuhause
Die Bundesregierung muss auch in Deutschland handeln. Gefordert sind ein gesetzlich verankertes 30-Prozent-Schutzflächenziel und ein länderübergreifender Biotopverbund. Ein ambitionierter nationaler Wiederherstellungsplan soll die Renaturierung geschädigter Ökosysteme mit überprüfbaren Maßnahmen, klaren Zeitplänen und ausreichender Finanzierung voranbringen.
Weitere Forderungen betreffen die Verringerung von Pestiziden und Nährstoffeinträgen, die Förderung des Ökolandbaus sowie eine naturverträgliche Forstwirtschaft und Fischerei. Naturschutz braucht dauerhaft verlässliche Mittel.
Die COP17 muss über eine Bestandsaufnahme hinausgehen: Die Verbände erwarten konkrete Beschlüsse, die Umsetzungslücken schließen und den Schutz der biologischen Vielfalt bis 2030 beschleunigen.

